Entwicklung Schulcampus Gellershagen
Realisierungswettbewerb, Anerkennung
ARGE Lorber Paul hks architekten
Der Entwurf gruppiert die drei Baukörper so in das Planungsgebiet, dass sehr gut geordnete Außenbereiche entstehen. (…) Die Arbeit stellt besonders in der städtebaulichen Grundkonzeption und in der Gestaltung der Freianlagen einen qualitativ hochwertigen Beitrag dar. Auch die Qualität der Cluster ist hervorzuheben…
Die Jury
Gutes Klima
Sowohl in der tragenden Struktur als auch im Innenraum beherrscht Holz die Gestaltung des neuen Schulcampus. Das natürliche Material schafft ein gesundes Raumklima und leistet als nachwachsender Rohstoff einen enormen Beitrag zum nachhaltigen Bauen. Die Materialwahl ist Teil des Konzepts, den Schüler*innen eine häusliche, familiäre Atmosphäre zu bieten. Auch die Integration von Pflanzen in Teilen der Fassade und in den Innenräumen wirkt sich positiv auf das Mikroklima und die Behaglichkeit der Räume aus.
Identitätstiftend
Der Entwurf für den Schulcampus Gellershagen schafft mit der Verteilung der Baukörper ein Campusensemble, welches differenziert auf die Umgebung reagiert und den Bestand elegant integriert. Die Sekundarschule im Bestandsbau wird durch einen Anbau im Norden um die notwendige Fläche erweitert. Diesem gegenüber wird im Osten die Grundschule positioniert. Die neue Dreifachsporthalle grenzt im Norden des Grundstücks an die Sportflächen der Bielefelder Turngemeinde. Zwischen den drei Gebäuden spannt sich die neue Campusmitte auf, von der aus alle drei Gebäude erschlossen werden. Die Turnhalle und das Forum sind auch für außerschulische Aktivitäten nutzbar und über den Campus optimal auffindbar und erreichbar. Die Schule hat das Potential, ein Gemeinschaftsort mit quartiersstiftender Identität zu werden. Die Position der Sporthalle teilt die Freiflächen im Norden in zwei geschützte Schulhöfe, die über den Campus verbunden sind. Die bewusste Setzung der Sporthalle sorgt zudem für eine Wegeverbindung zwischen Wohnquartier und Park. Der an zukünftige Anforderungen anpassungsfähige, im Raster konzipierte Schulbau ist in nachhaltiger Holz- bzw. Holzhybridbauweise geplant.
Durch eine geradläufige Sitztreppe und die Erschließung der gemeinsam nutzbaren Mehrzweckräume sowie der Bibliothek entsteht ein den Bestand und den Neubau verbindender gut einsehbarer Bereich. Beidseitig dieser mittigen Erschließung grenzen in den Obergeschossen die Clustereinheiten der Jahrgangsstufe 1-4 an. Die Cluster-Bereiche bilden in einem idealen räumlichen und funktionalen Zusammenhang das geforderte Raumprogramm ab und ermöglichen mit Lernloggien differenzierte kommunikative Zonen und Lernbereiche.
Erhellend
Die Fenster bringen viel Tageslicht in die Räume und reduzieren den Bedarf an künstlicher Beleuchtung. Die Klassenräume werden durch textile ausstellbare Sonnenschutzelemente verschattet, wodurch ein übermäßiger Wärmeeintrag im Sommer vermieden wird. Ein hybrides System aus natürlicher und mechanischer bedarfsgesteuerter Belüftung sorgt für ein angenehmes Raumempfinden beim Lernen. Die passive Kühlung und Nachtauskühlung in Verbindung mit Sonnenschutzelementen sorgen für einen hohen sommerlichen Wärmeschutz. Durch große Verglasungsanteile, Lichthöfe oder Oberlichter erhalten auch die Erschließungsräume eine gute Tageslichtverfügbarkeit.
Für die neue Sekundarschule wird das langestreckte dreigeschossige Bestandsgebäude mit einem nördlichen Anbau ergänzt. Die Länge des Gebäudes und der einseitige Flurbereich im Norden werden dabei genutzt und bilden die Grundlage des Entwurfskonzepts. Aus dem Flur wird eine verbreiterte, helle Schulstraße mit angrenzenden Clustern, die zwischen Neubau und Bestand vermittelt, indem sie den alten und neuen Haupteingang miteinander verbindet und die Cluster und Fachräume über eine offene Treppe mit Sitzstufen erschließt. Durch Nutzungen wie den Schülerclub, Spielbereiche oder die Bibliothek wird die Magistrale zum Mittelpunkt des Schulgeschehens und schafft Orte der Begegnung. Dabei sorgen Rampen, Flurbreiten und ein Aufzug für Barrierefreiheit im gesamten Gebäude. In seiner strukturellen Kompaktheit entsteht ein Ort ganzheitlichen und sozialen Lernens.
Die Bestandsräume im Süden werden in den oberen Geschossen durch Fachräume belegt. Wegen der geringeren Höhe im Erdgeschoss des Bestands werden hier die Räume der Verwaltung verortet.
Zwischen Neubau und Bestand dient ein Versprung von einem Meter dazu, die Raumhöhen für Mensa und Foyer angenehm zu gestalten. Angrenzend an das Foyer, welches den Auftakt der Schulmagistrale darstellt, befinden sich in der Verlängerung die beiden koppelbaren Mensen. Der Außenbereich der Mensen orientiert sich Richtung Campus und der Grundschule, sodass trotz gemeinsamer Nutzung der Küche eine Teilung der Mensen möglich ist.
In der Eingangsebene befindet sich, südlich des Haupteingangs, die gut erreichbare Verwaltung der Grundschule. Im nördlichen Teil der Eingangsebene sind, neben den gewünschten Gruppenräumen für den Ganztag, das zentrale Forum mit Bezug und Sichtbeziehungen zum Campusplatz verortet.
Die Dreifach-Sporthalle verbindet kompakt die geforderten Funktionen des Raumprogramms. Dabei erfolgt die Erschließung über ein kleines Foyer vom Campusplatz. Dort befindet sich auch die zentrale vertikale Erschließung des zweigeschossigen Teils der Umkleide-, Gymnastik- und sonstigen Nebenräume der Sporthallen. Ein durchgehender Flur erschließt diese Räume und die Zugänge zu den Sporthallen. Der nördliche Nebenein- und ausgang dient als Fluchtweg und direkter Zugang zum Sportplatz im Norden.
Die sechs Lerncluster liegen in den beiden Obergeschossen, wobei jeweils die drei Jahrgänge der zugehörigen Jahrgangsstufe auf einer Etage liegen. Alle Jahrgänge verfügen über eine dem Cluster zugeordnete Lernloggia sowie eigene Sanitärbereiche. Im 1. Obergeschoss liegt ein über die Schulstraße erschlossener Dachgarten, der über eine Freitreppe den direkten Zugang zum Schulhof ermöglicht. Dieser wird von einem Lichthof eingeschnitten, der als Werkhof an den Kunst- und Musikbereich im Erdgeschoss angrenzt.
Die markanten Dachformen schreiben die Satteldächer des Bestandes in zeitgemäßer Form fort. So entsteht ein stimmiges, zusammenspielendes Gesamtensemble. Alle Dächer der Neubauten erhalten eine intensive Begrünung.
ARGE Lorber Paul hks architekten
Bauherrschaft: Stadt Bielefeld
Anerkennung im Realisierungswettbewerb
Freianlagenplanung: greenbox Landschaftsarchitekten
Durch die gezielte städtebauliche Integration von Bestandserweiterung und Neubaukörpern schaffen wir rund um die Campusmitte Raum für Begegnung und vielfältige Bildung.
Jay Heydecke
Renderings: rendertaxi