Wiederaufbau und Erweiterung des Thomas-Eßler-Berufskollegs nach der Flutkatastrophe
Intelligente Lösung
Um dem Thomas-Eßler-Berufskolleg nach der Hochwasserkatastrophe in Euskirchen im Jahr 2021 eine ihrer Bedeutung angemessenen Wirkung zu geben, wird bei seinem Wiederaufbau und seiner Erweiterung besonderes Augenmerk auf ein neues und markantes Erscheinungsbild mit entsprechender Strahlkraft gelegt. Grundlage des Entwurfsansatzes ist das Bestreben, den Gebäudebestand sinnfällig in ein neues Gesamtensemble einzubinden und durch Sparsamkeit im Flächenverbrauch eine möglichst wirtschaftliche Umsetzung der Bauaufgabe zu ermöglichen. Als Konsequenz dieses Ansatzes wird das Baufenster für den Neubau so gewählt, dass die Bestandsgebäude A und D während der Bauphase in der Nutzung bleiben können. Auf kostenintensive Interimsmaßnahmen kann so verzichtet werden. Der Neubau dockt als Erweiterungsbau direkt an das Bauteil B an. Ein zentraler Platz bindet die beiden Hauptzugänge der verschiedenen Nutzungseinheiten zu einer Adresse zusammen, dennoch sind die einzelnen Zugänge klar als eigene Eingänge akzentuiert.
Durch die Verdichtung der Nutzflächen im Bestand kann die Kubatur des Neubaus von 8.000 m² auf 5.000 m² minimiert werden. Entsprechend reduzieren sich die Erstellungskosten.
Durch die Hochwasserkatastrophe wurde das Berufskolleg so stark beschädigt, dass eine Sanierung der Gebäudeteile A, C und D unwirtschaftlich war. Sie werden mit laufendem Baufortschritt abgerissen.
Bestehendes nutzen
Im Bestand werden verborgene Potentiale identifiziert, die Nutzflächen maximiert und die Flächeneffizienz auf diese Weise erheblich gesteigert. Als Konsequenz wird das vollständige Raumprogramm mit Ausnahme der Labore und Werkstätten sowie der Dualen Systeme offen, modern und anpassungsfähig im Gebäudebestand untergebracht. Die Aktivierung zahlreicher zusätzlicher qualitätsvoller Flächen kann mit einfachen Mitteln realisiert werden. In beiden Obergeschossen werden je zwei Lichthöfe geschaffen, um die vorhandene Gebäudetiefe optimalen belichten zu können. Das vorhandene Stützenraster bietet gute Möglichkeiten für die Bildung offener Lernlandschaften.
Solide Planung
Der zweigeschossige Neubau zeichnet sich durch eine klare Struktur sowie eine offene und übersichtliche Erschließung aus. Die Grundrissorganisation sieht eine klare Gliederung in „praktische Bereiche“ im Erdgeschoss (Werkstätten, Labore, Lager) und „theoretische Bereiche“ im Obergeschoss vor. Der Neubau erhält über eine „Werkstraße“ eine Mitte, die die beiden Bereiche „kommunikativ“ miteinander verbindet. Die zum zentralen Platz orientierte Haupttreppe dient dabei nicht nur der Erschließung, sondern auch als große kommunikative Sitztreppe. Im Erdgeschoss liegen die geräuschintensiveren Fachräume an der Nordseite. Die Werkstätten öffnen sich zu den vorgelagerten Freianlagen. Im OG befinden sich konzentriert die Theorie,- Multifunktions- und Besprechungsräume, die sich um einen zentralen Lichthof sowie um eine gemeinsame kommunikative Mitte gruppieren – eine vielfältig bespielbare Lernlandschaft.
Neuer Charakter
Die barrierefreie Erschließung innerhalb des gesamten Gebäudes B erfolgt mittels einer neuen Aufzuganlage. Die Verbindung mit dem Erweiterungsbau ermöglicht den Verzicht auf die Schaffung weiterer Fluchtwege. Grundsätzlich wird das Maximum der bestehenden Bausubstanz erhalten und effektiv genutzt. Gezielte Eingriffe ermöglichen einen völligen Wandel des Charakters und eine deutliche Steigerung der räumlichen Qualitäten. Im Zusammenhang mit der vorgeschlagenen Nutzungsverteilung kann im EG eine vielfältig nutzbare, vitale neue Mitte entstehen. Die Mensa wird Teil diese „Herzstücks“. Die Bereiche Küche/Musik/Theater aus dem Bereich Gesundheit und Soziales werden bewusst in das EG integriert. Die Fremdnutzer Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und Kreissportbund (KSB) werden zugänglich über einen separaten Eingang im Erdgeschoss des Bauteils B untergebracht.
ARGE Fischer + Fischer Architekten, hks architekten BDA
Bauherrschaft: Kreis Euskirchen
Mehrfachbeauftragung
Leistungen: Objektplanung LPH 1-9
Renderings: hks architekten BDA